Engagierten Menschen wie Herbert Stolle bleibt es nicht erspart, zur Zielscheibe sowohl harscher Kritik als auch des unangemessenen Lobes zu werden. Ob nun seine Kritiker aus manchen Innungen ihn als Laus, Maus, Hyäne oder Spaltpilz titulierten, ob er andererseits im "Who is Who" zu einer wichtigen deutschen Persönlichkeit hochstilisiert oder gar auf der Titelseite einer zahnärztlichen Monatszeitschrift zum "größten Dental-Labor der Welt" erkoren wurde, ließ den "Fels in der Brandung", wie ihn seine Freunde nannten, ziemlich unberührt.

Dankbar zugelassen hat er stattdessen die Laudatio eines langjährigen Weggefährten, Prof. Dr. Reinhard Marxkors, dem ehemaligen Direktor der Poliklinik für zahnärztliche Prothetik der Universität Münster, dem an dieser Stelle das Schlusswort erteilt wird.


Prof. Dr. Marxkors über Herbert Stolle

Verehrte Festversammlung, sehr geehrter Herr Minister und stellvertretender Ministerpräsident, sehr geehrte Frau Staatssekretärin, sehr geehrter, lieber Herr Stolle!

Man möge mir nachsehen, wenn ich mit einer kleinen Laudatio auf den Gründer des FVZL beginne, denn ein Verband entsteht nicht von selbst, es bedarf eines Initiators.
An den Anfang möchte ich ein Zitat des einstigen Bundesministers für Wissenschaft und Forschung Dr. Riesenhuber stellen, das da lautet: "Der Staat erbringt schon eine beachtliche Leistung, wenn er die Bürger bei der Arbeit nicht stört." Diese These impliziert, dass vom Staat durchaus Störungen ausgehen können, die den Bürger bei der Arbeit behindern. Stolle nennt sie mit Namen: staatliche Reglementierung, Planwirtschaft, Bevormundung. Auf der einen Seite wird Unternehmertum und freie Marktwirtschaft gefordert und auf der anderen Seite werden gleichzeitig die Fallstricke gespannt. Diese Widersprüchlichkeit lässt Stolle nicht dumpf und klaglos über sich ergehen, er kämpft.

Was veranlasst Stolle, soviel Energie und Zeit und soviel akribische Detailarbeit in die Berufspolitik zu investieren? Er tut das für seinen Berufsstand. Gewiss, er hat die Gabe des analytischen Denkens und der Formulierungskunst. Er beherrscht die entsprechenden Stilarten der Sprache: geschmeidig elegant. satirisch pointiert, wie sachlich präzise und scharf. Aber das alles reicht noch nicht aus. Es bedarf einer eisernen Disziplin und Konzentration und der Fähigkeit, sich durch Rückschläge nicht entmutigen zu lassen. Er verfügt über eine hohe Ambiguitätstoleranz, ist imstande, mit Problemen zu leben, an der Lösung von Problemen zu arbeiten. Kritik stellt für ihn eine Herausforderung dar. Für einen Zahntechniker darf man einen Vergleich aus der Metallkunde heranziehen. Die Eigenschaften bestimmter Legierungen können durch Tempern verbessert werden. Stolle hat die Fähigkeit, durch Beanspruchung und Stress vergütet zu werden. Er schreibt keine Romane, er verfasst Manifeste. Er lässt sich aber auch von Erfolgen nicht blenden. Seine Vorgehensweise ist stets durchdacht. Rehagel nannte das im Fussball: "Offensive mit kontrolliertem Risiko."
Er denkt auch über den fachlichen Horizont hinaus. Er mischt sich politisch ein. Er hält sich an die These William Gordons: "Wer nur seinen Bereich kennt, der kennt auch diesen nicht."

Als "Freiheitskämpfer" suchte Stolle Mitstreiter. Er gründete den "Freien Verband Zahntechnischer Laboratorien", der heute sein 25-jähriges Verbandsjubiläum feiert. Natürlich ist Stolle allein kein Verband. Was ich über ihn gesagt habe, gilt für alle Mitglieder. Sie kommen aus allen Bundesländern und dokumentieren dadurch, dass sie gleichen Sinnes sind. Sie dokumentieren dadurch, dass ein Berufsstand seine Identität braucht. Sie kämpfen dadurch gegen die Aushöhlung des beruflichen Selbstverständnisses. Das ist ein durchaus legitimes Verhalten.
Man müsste es geradezu als ein Armutszeugnis ansehen,wollte ihr Stand nicht ausdrücken, was seine Motivation, sein Selbstwertgefühl und seine berufliche Befriedigung ausmacht, und was Schiller so unübertroffen formuliert hat:

"Das ist's ja, was den Menschen zieret, und dazu ward ihm der Verstand, dass er im tiefsten Herzen spüret, was es erschafft mit seiner Hand."

Ich gratuliere dem Freien Verband Zahntechnischer Laboratorien zu seinem 25-jährigen Bestehen und wünsche ihm eine gute Zukunft.